Kolonialtisch, Entwurf Hans Bellermann 1945, Hersteller Vitra

kolonialtisch

Hersteller: unbekannt

Entwurf: Hans Bellmann 1945

Reedition: Vitra

 

Er kann als Ergänzung zu den in den 40er und 50er Jahren sehr beliebten »Kolonialstühlen« skandinavischer Hersteller verstanden werden (bekannt wurde der um 1930 entstandene Safaristuhl von Kaare Klint). Das Konzept: einfache, flexible Möbel, die auf Vorbilder des anonymen Alltagsdesigns zurückgriffen, darunter auch englische Kolonialmöbel. Bellmann, dem in seiner Studienzeit am Bauhaus in Dessau der Sinn fürs Praktische vermittelt wurde und der während der NS-Zeit in die Schweiz emigrierte, ließ sich zu dem Entwurf von einem zerlegbaren Zeichenhocker inspirieren. Die Aufgabe bestand darin, einen Beistelltisch zu entwickeln, der sich schnell und einfach montieren (und demontieren) lässt und dabei standfest und stabil ist. Das Prinzip besteht aus drei gedrechselten Tischbeinen aus lackiertem Buchenholz, die durch ein sternförmiges Metallscharnier miteinander verbunden werden. Sie lassen sich mit einfachen Handgriffen zum Untergestell auffächern. Die Spitzen der Beine werden dann durch schräg gebohrte Löcher in die Tischplatte gesteckt. Sogenannte Schultern unterhalb der Spitzen verhindern ein Durchrutschen der Beine und arretieren die in Ahorn oder Kirsche furnierte Platte. Der zweckmäßige Entwurf mit seinen verschiedenen Wurzeln reflektiert auch den pragmatischen Geist einer schwierigen Pionierzeit, in der man unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und seiner Folgen nach neuen, erschwinglichen Lösungen suchte.