Plastiksitz Zocker, Entwurf Luigi Colani 1972, Hersteller Top System Burkard Lübke

zocker

Hersteller: Top System Burkard Lübke

Entwurf: Luigi Colani 1972

 

 

Mit der Verfügbarkeit der neuen Kunststoffe geraten auch die Möbelkonventionen in Fluss. Neben Kollegen wie Helmut Bätzner (»Bofinger-Stuhl« BA 1171, 1966) oder Peter Ghyczy (»Garten-Ei« 1968) gehörte Luigi Colani zu den Pionieren, die die Möglichkeiten der verformbaren Masse konsequent ausloteten. Der für Kinder entwickelte Stuhl Zocker und das später hinzugekommene, etwas größere, formal identische Sitzgerät Colani sind frei benutzbare, mithin multifunktionale Sitzmöbel, auf deren pultartige »Rückenlehne« vieles gelegt werden kann, sei es ein Trinkglas, Schreib- oder Spielzeug oder auch die eigenen Ellbogen. Man kann sie selbst als Spielzeug verwenden oder darauf arbeiten. Durch abgerundete Kanten und den ansatzlosen Übergang der Funktionsteile ist die Verletzungsgefahr gering. Die leichten Stühle sind standfest, stapelbar sowie stoß- und kratzfest. Dabei wirken sie nicht wie eine Konstruktion, sondern wie ein künstlerischer Geniestreich – eine biomorphe, die Fantasie anregende Alltagsplastik. Letztlich sind die antiautoritären Experimentalmöbel auch prägnante Beispiele für die sich wandelnden Wohn-, Lebens- und Bewegungsformen. Die grellen Farben wirken da wie das Signal zum Ausprobieren.