se 68
Hersteller: WILDE + SPIETH
Entwurf: Egon Eiermann 1950
Ein paar Jahre Karenzzeit lagen im Normalfall dazwischen, bis Entwicklungen aus dem gelobten Land Amerika sich auch in Europa verbreiteten. Das gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Kalifornien lebende Designerpaar Ray Eames und Charles Eames hatte mit seinen auf dünnem Stahlrohrgestell fußenden, dreidimensional gebogenen Sperrholzstühlen das prototypische Sitzmöbel der 50er Jahre geschaffen. Diese praktische, weil leichte und sitzfreundliche Kombination fand Epigonen in vielen Ländern. Egon Eiermann zählte zu den Ersten, die das neue Instrumentarium auf dieser Seite des Atlantiks anwandten (zwei Jahre vor Arne Jacobsens Ameise). Schon bei seinem reinen Sperrholzstuhl SE 42 zwei Jahre zuvor hatte sich der Modernist und Konzeptionalist an dem transatlantischen Vorbild orientiert. In diesem Falle entwickelte er daraus eine leicht reduzierte, strengere und damit wohl auch typisch deutsche Variante. Sein zierliches Modell SE 68 mit Vierbeingestell ist ein wahrer Mehrzweckstuhl. Die Stapelbarkeit prädestiniert ihn als Ausstattung für Schul-, Seminar- und andere Vortragssäle. Generationen von Studenten haben auf der optionalen, klappbaren Schreibunterlage ihre Mitschriften verfertigt. Da das leichte Möbelstück zudem schnell zum Sinnbild des neuen Aufbruchs wurde, war es ein beliebter Einrichtungsgegenstand für modern Gesinnte. Sitz und Rücken sind aus mehrfach verleimtem Echtholzfurnier gefertigt. Ein charakterisches Erkennungsmerkmal bilden dabei die auf der Vorderseite sichtbaren Verschraubungen, ein konstruktives Detail, das auch auf die erhöhte Festigkeit und Haltbarkeit verweist.


