santa lucia
Hersteller: Restaurant Santa Lucia
Entwurf: Herbert Hirche 1969
Reedition: Richard Lampert;
Das Gestell besteht aus zwei U-förmig gebogenen und abgeknickten Rohren. Auffällig ist die als Mulde ausgebildete Rückenlehne, deren vorderer Rand mit den Hinterbeinen eine durchgehende Gerade bildet, ein Detail, das dem Entwurf eine gewisse Strenge verleiht und gleichzeitig eine stabile Konstruktion, bei der der Rücken umschlossen wird, aber die Armfreiheit gewahrt bleibt. Bereits Anfang der 50er Jahre hatte Herbert Hirche einen Geflechtstuhl entworfen, der ebenfalls stapelbar war, ein zeittypisches Stahlrohrgestell besaß und weitere formale Ähnlichkeiten mit späteren Modellen aufwies. Lehne und Sitzfläche waren verbunden, die Hinterbeine schräg gestellt. Freiheit und Beweglichkeit anstrebend, entwickelte er über zwei Jahrzehnte hinweg eine ganze Serie dieser leichten, robusten Arbeitsstühle. Ein Schulbeispiel für behutsame Variation (eine auf Kufen stehende Version nutzte er selber als Schreibtischstuhl). 1957 bekam er den Auftrag, in Stuttgart den Gastraum des italienischen Restaurants Santa Lucia einzurichten. Das Ergebnis war eine nochmals leichtere Version eines Korbstuhls, in der sich Modernität mit nostalgischen Anklängen an »Bella Italia« verbanden. Kein Geringerer als Walter Gropius verwendete diesen Stuhl im selben Jahr in seiner Musterwohnung auf der Berliner Architekturausstellung Interbau. Für die Erweiterung desselben Restaurants entstand ein gutes Jahrzehnt später Hirches letzter Korbstuhl – und sein elegantester, denn die Linienführung ist hier besonders stringent.


