Bofingerstuhl, Entwurf Helmut Bätzner 1966, Hersteller Bofinger

bofinger-stuhl

Hersteller: Bofinger

Entwurf: Helmut Bätzner 1966

 

 

Dass 1966 auf der Möbelmesse in Köln der erste aus einem Stück geformte Kunststoffstuhl vorgestellt werden konnte, lag wieder einmal daran, dass ein inspirierter Gestalter einen gleichgesinnten Unternehmer gefunden hatte. Der Architekt Helmut Bätzner hatte für den Neubau des Karlsruher Staatstheaters eine Bestuhlung entwickelt. Den Stuhl, der aussieht, als wäre eine Haut über ein imaginäres Gestell gespannt, prägen komplexe Kehlungen und Winkelungen. Die praktischen Vorteile liegen auf der Hand: Obwohl nur vier Kilogramm leicht, war der Polyester-Stuhl stabil, witterungsbeständig und zu enormer Höhe stapelbar. Beim Möbelunternehmen Bofinger war man von Bätzners Entwurf überzeugt, fand einen geeigneten Hersteller und gab die dafür notwendige 10-Tonnen-Presse in Auftrag. Der Stuhl war in acht plakativen Farben erhältlich und mit einer Stückzahl von 120.000 wohl auch eines der meistverbreiteten, von der Pop-Art inspirierten Objekte. Dabei kann er als echter Industriestuhl gelten. Das Modell BA 1171 (auch Bofinger-Stuhl) diente als Vorbild für einen neuen Stuhltypus (ein Jahr später entwarf Vico Magistretti den Polyester-Stuhl Selene für Artemide) und war, ähnlich wie die Bugholzstühle Nr. 14 (1859) und der Stuhl 2200 (1936), ein echtes Massenphänomen. Wiederholte Versuche der Firma Habit, ihn wieder aufzulegen, waren zwar nicht erfolgreich, aber in der Form ästhetisch zumeist anspruchsloserer Adaptionen ist er in den Gärten und Straßencafés dieser Welt allgegenwärtig.