max und moritz
Hersteller: WMF
Entwurf: Wilhelm Wagenfeld 1953
Dass man auch einen unscheinbaren Gegenstand, der in der Etikette weit hinter Geschirr, Glas und Besteck zurückfällt, gestalterisch mit hohem Wert ausstatten kann, hat Wilhelm Wagenfeld bewiesen. Der vom Bauhaus beseelte Norddeutsche, der die Kleinigkeiten schätzte, hat Salz- und Pfefferstreuer, die gewöhnlich nur Statisten auf dem Esstisch sind, Designweihen verliehen. Anfang der 50er Jahre, das beginnende bundesdeutsche Wirtschaftswunder zeigte sich auch in Form einer neuen Wohn- und Esskultur, entwarf er einen völlig neuen Typus dieser kleinen, aber häufig verwendeten Behältnisse. Neu war bereits die Kombination von Glas und Metall, die sich einerseits zwanglos aus Wagenfelds Werkbiografie ergibt, aber keineswegs zufällig ist. Während bis dahin der Unterschied zwischen Pfeffer- und Salzstreuer äußerlich gekennzeichnet werden musste (z. B. durch die obere Lochung in Form der Buchstaben „S“ und „P“), war das hier aufgrund der Durchsichtigkeit nicht nötig. Die beiden Streuer sind zudem identisch und unterscheiden sich nur durch die die Farbe ihres Inhalts. Schließlich enthält der Entwurf auch noch eine technische Innovation: Der Deckel, der nicht geschraubt, sondern gesteckt wird, hält ohne Gewinde allein durch die Spannung des Metalls. Beachtung fand das Pärchen – deren aus Wilhelm Buschs bekanntem Kinderbuch entlehnte Namen sie zu kleinen Wesen erhebt – insbesondere durch ihre eingeschnürten Körper, eine ebenso für ihren Schöpfer wie für die damalige Zeit typische organische Formgebung, die hier allerdings auch ihren Zweck erfüllt. Die Taillen machen Max und Moritz griffsicher und verhindern außerdem, dass Salz und Pfeffer verklumpen. Dass die beiden gemeinsam in einem „Schiffchen“ untergebracht sind, unterstreicht die theatralische Komponente und erleichtert außerdem den Transport.


