tiefer sessel
Hersteller: Heinrich Murrmann
Entwurf: Egon Eiermann 1948
Reedition: Richard Lampert
Der repräsentative Salonstil war einem Mobiliar im Wortsinn, d. h. einer tatsächlich beweglichen Habe, gewichen, was dem Wunsch nach zwangloser Geselligkeit entgegenkam und auf die begrenzten Wohnverhältnisse Rücksicht nahm. Herbert Hirches Tiefer Sessel steht als Entspannungsmöbel geradezu beispielhaft für eine neue, stark an amerikanischer Lebensart und skandinavischen Vorbildern orientierten Wohnkultur. Hirche hatte Sessel und Hocker zunächst für sein Privathaus in Stuttgart entworfen. Schon andere Gestalter hatten auf eine hohe Rückenlehne und Armstützen verzichtet und die Polster auf flache Kuben reduziert. Hirches Version trieb diese Reduzierung auf die Spitze. Auf ein zu Kufen und Lehnenhalterung gebogenes Stahlrohr wurden mit Abstandhaltern Sitz und Lehne im rechten Winkel geschraubt. Weniger Masse kann ein Sessel kaum haben. Das Minimum an Auflage ließ die flachen Polster zudem gleichsam über dem Gestell schweben. Das chromglänzende Stahlrohr wie auch das Streben nach größtmöglicher formaler Strenge zeugen von Hirches Ausbildung am Bauhaus. Die Zierlichkeit des Möbels, seine extrem niedrige Sitzhöhe wie auch die Bescheidenheit der Materialien – Schaumstoffpolster waren mit einem einfachen Wollstoff bezogen – weisen den Entwurf zugleich klar als Kind seiner Zeit aus.


