orbis
Hersteller: COR
Entwurf: Luigi Colani, 1969
Eine offene Sitzfläche, die zum ungezwungenen Sitzen animiert. In Orbis zeigt sich der antiautoritäre Geist der 60er Jahre, ein Freiheitsstreben, das sich auch in legeren Sitzsitten äußerte. Neue Möbel trugen diesem Trend Rechnung, oft unter Zuhilfenahme der neuen, formbaren Kunststoffe. Zwar ist diese Lösung weniger radikal als die Arbeiten einiger zeitgenössischer Kollegen, wie Verner Panton oder Otto Zapf, die ganze Polsterlandschaften entwarfen. Dennoch ist es nicht weniger als die Umkehrung des traditionellen Konzepts eines Sessels, der durch ein inneres Gestell getragen wird. Luigi Colani verlegte dieses nach außen wie Le Corbursier, der die Polster bei seinem Sessel Grand Confort (1928) in einen Käfig steckte. Den brauchte der Schaumstoff nicht mehr. Der aus einem Stück bestehende Orbis-Korpus, in dessen Sitzmulde ein Kissen eingelegt wird, liegt in einer flachen Schale aus Polyurethan – eine Konstruktion, die der des Sessels RZ 62 von Dieter Rams (1962) ähnelt. Bei Orbis bleiben die Seiten frei. Die schwarz oder weiß lackierte Schale steht in Kontrast zu den kräftigen, monochromen Farben der Originalbezüge. Über Druckknopfstege können die Sessel miteinander verbunden werden. Dass diese Sitzmonumente sich durch den Raum rollen lassen, war auch eine Absage an die starre Möbelhierarchie der Vorväter.


