o-line
Hersteller: Wilkhahn
Entwurf: Herbert und Jutta Ohl 1975
Ein leichter Hubschraubersitz und ein Gepäcknetz aus Nylongewebe fügten sich zu der Idee, einen Sessel zu entwerfen, der ein geringes Volumen hat und zugleich transparent und kleingewichtig ist. Was dabei herauskam, hat nicht nur äußerlich Verwandtschaft mit Entwürfen der klassischen Moderne der 20er Jahre. Es ist die Fortsetzung des damals propagierten „offenen Wohnens“ mit den technischen Mitteln der Gegenwart. Erstmals realisiert wurde das Ohl'sche Netzkonzept in den 70er Jahren von der italienischen Firma Arflex als ein flacher, bequemer, aus zwei gleichen Teilen bestehender Sessel. Die Weiterentwicklung trieb der Designer selbst voran, indem er in Mailand von Werkstatt zu Werkstatt tingelte und sogar die Maschine selbst konstruierte. Bis schließlich der renommierte Büromöbelhersteller Wilkhahn in das bereits fortgeschrittene Projekt einstieg. Die prägnante Silhouette der O-Linie bestimmt der aus zwei sphärisch gekrümmten Aluminiumringen bestehende Rahmen, auf dem das elastische Material straff aufgezogen ist. Das Rahmenrohr geht in einen ebenfalls sehr eigenwilligen Metallfuß über, der aus eng aneinander liegenden, konzentrischen Kreisen besteht. Der in vieler Hinsicht ungewöhnliche Entwurf war der Vorläufer jener heute so weit verbreiteten Netzlehnen, die allerdings lediglich bei Bürostühlen Anwendung finden, während die Innovation im Wohnbereich weitgehend brach liegt. Mit Nuvola (Wilkhahn 1998) hat Ohl, nun in Zusammenarbeit mit seiner Frau, eine leichtere Variante folgen lassen: ein stapelbarer Freischwinger, dessen Sessel-Variante den Sitzenden mit einer großen, flügelartigen Rückenlehne umschließt.


