Korbsessel E 10, Entwurf Egon Eiermann 1948, Hersteller Richard Lampert

e 10

Hersteller: Heinrich Murrmann

Entwurf: Egon Eiermann, 1948

Reedition: Richard Lampert

 

Vier Jahre nach Kriegsende fand in Stuttgart eine viel beachtete Möbelausstellung statt, deren Titel eine Frage war, die sich damals zwangsläufig viele Deutsche stellten: »Wie wohnen?« Im Zentrum der Ausstellung stand eine von Egon Eiermann entworfene und komplett eingerichtete Vierzimmerwohnung. Der Architekt wählte Einrichtungsgegenstände aus verschiedenen Materialien wie Stahlrohr, Holz und Sperrholz und platzierte sie locker im Raum. Darunter war neben einer Reihe anderer eigener Entwürfe auch der Korbsessel E 10. Mit seinem zentralen, stammartigen Fuß und der tiefen Sitzschale, die sich wie eine Blüte öffnet, war er weltweit ein Prototyp für viele spätere Entwürfe dieser Art (bekannt wurde z. B. Isamu Kenmochis Sessel von 1961). Der bequeme, formal konsequente und dekorative Sessel gehört zu den gelungensten Arbeiten des Architektendesigners, obwohl er längst nicht die Popularität anderer Eiermann-Möbel erreichte. Die Sitzskulptur, die Eiermanns Interesse an organischen Formen zeigt, ist nur in reiner Handarbeit herzustellen (ein geübter Flechter benötigt etwa 25 Stunden). Kein anderes Material als Rattan wird verwendet. Die elastischen Stangen gewinnen durch Verflechten an Steifheit und damit an Belastbarkeit. Eine innen liegende Versteifung des Sockels stabilisiert die Konstruktion. Dass hier Schaft, Sitzmulde, Armauflage und Rückenteil aus einem Guss sind, ist auf den ersten Blick zu erkennen.