Sessel "369", Entwurf Anonym 1956, Hersteller Walter Knoll

369

Hersteller: Walter Knoll

Entwurf: Anonym 1956

 

 

Die Sitzschale wurde zu einem Sinnbild der Moderne, spätestens seit der Amerikaner Eero Saarinen Ende der 40er Jahre mit seinem Sessel Womb, zu deutsch Mutterleib, die Dreidimensionalität organischer Linien auf ein Polstermöbel übertragen hatte. Grundsätzlich anders gegenüber dem traditionellen Sitzmöbel war nicht nur die fließende Linienführung (und somit die weitestgehende Abwesenheit von Kanten), sondern vor allem die Verschmelzung aller Einzelelemente des Sessels zu einer einheitlichen Gesamtform – während er in seiner funktionalistischen Variante ja gerade in seine Einzelteile zerlegt wurde. Ein Blick in das Standardwerk Die schöne Wohnung, Ausgabe 1959, zeigt, dass die dort abgebildelten Musterwohnungen nicht nur mit Saarinens Original, sondern auch mit etlichen Varianten bestückt waren. Mitte der 50er Jahre war der Schalensessel Standard. Eine der formal sehr gelungenen Variationen dieses neuen Typs ist das relativ kleine Modell 369. Die kreisförmige Öffnung der Sitzschale und die dreieckige Seitensilhouette ergeben eine ruhige, formal ausgewogene Erscheinung. Dies wird durch die klaren Linien der seitlich geführten Stahlrohrbeine noch unterstrichen. In die leicht nach hinten abfallende Schale rutscht man hinein, dabei ist die Sitzfläche aber kurz genug, um auch bequem wieder aufstehen zu können.