Teeservice TAC 1, Entwurf Walter Gropius 1969, Hersteller Rosenthal

tac 1

Hersteller: Rosenthal

Entwurf: Walter Gropius 1969

 

 

Bauhaus-Gründer Walter Gropius war nach seiner Auswanderung in die USA Ende der 30er Jahre als Architekt tätig und bei der Markteinführung seines Teeservices TAC 1 ein Mann von 85 Jahren, somit handelt es sich hier um ein Spätwerk. Benannt wurde es nach seinem berühmten, 1945 gegründeten amerikanischen Büro The Architects Collaborative mit Sitz in Cambridge, Massachusetts, in dem er rund ein halbes Dutzend Architekten beschäftigte, die an den Entwürfen mitwirkten. Die Firma Rosenthal, für die der Altmeister ab 1963 ein Porzellanwerk in Selb und ein Glaswerk in Amberg entwarf, schlug mit dem Kontakt zu Gropius den Bogen zur klassischen Moderne deutscher Provenienz. Herausgekommen ist eine Hommage an den Kreis, die sich durch stimmige Proportionen und interessante Radienübergänge zwischen gewölbten und flächigen Zonen auszeichnet. Ganz offenbar stand hier auch die jahrtausendealte Form der chinesischen Teeschale Pate. Sie bestimmte nicht nur die ausladende Tassenform, sondern in ihrer Umkehrung auch die Form von Kanne, Gießer und Zuckerdose. Die Kanne als zentraler Entwurf des Ensembles erhält ihre harmonische Wirkung aus der geschlossenen Halbkugelform, in die der Deckel integriert ist (vergleichbar mit Trude Petris Urbino von 1931 und genau umgekehrt wie der Entwurf von Marianne Brandt aus dem Jahre 1923). Einige zweckmäßige und gut gelöste Details sind der flache und relativ breite Doppelgriff, der das Festhalten des Deckels und das Herausnehmen des Teesiebs erlaubt, die weit nach oben reichende Tülle und der nach unten verjüngte Boden. Der von Schwung und Gegenschwung geprägte Gesamteindruck führt zu einer unverwechselbaren Silhouette, insbesondere in der schwarzen, von Gropius bevorzugten Version.