sk 4
Radio-Plattenspieler-Kombination
Entwurf: Hans Gugelot 1956, Hersteller: Braun
Radio-Plattenspieler-Kombinationen waren das Spitzenprodukt der Branche, zumeist als korpulente „Musiktruhe“. Der SK 4 war der Gegenentwurf, denn hier wurden Materialien verwendet, die so gar nicht ins bürgerliche Wohnzimmer passten: weder das Blechgehäuse, noch die Haube aus Plexiglas, die über Jahrzehnte Standard wurde. Es war eines der ersten Phonogeräte, das seinen operativen Charakter nicht mehr verbarg, sondern hervorhob. Weitere Traditionsbrüche steckten im kompakten Kastenformat und einem Minimalismus, der einem Kulturschock gleichkam. Die Anwendung der Bauhaus-Prinzipien auf ein modernes Industrieprodukt feierte hier Premiere. War das Sitzmöbel von Formerfindern des frühen 20. Jahrhunderts in seine Bestandteile aufgelöst worden, widerfuhr dies nun einem Phonogerät. Die Skalentypografie folgte den Vorgaben Otl Aichers. Der Plattenspieler mit seinen etwas weicheren Formen kam aus dem Büro von Wilhelm Wagenfeld. Hans Gugelot hatte die Idee, für das Gehäuse ein U-förmiges Blech zu verwenden. Es handelte sich also um ein Gemeinschaftsprodukt. Konstruktiv bedingt ist der Kontrast zwischen dem weißen Geräteblock und den seitlichen Platten aus rötlichem Ulmenholz, die damals als skandinavisch empfunden wurden. Aus Gugelots Formenvorrat kamen auch die Belüftungsschlitze, die an Fensterzeilen erinnern. Da sie in diesem Falle vorn und hinten nahezu identisch waren, gab es keinen unansehnlichen Geräterücken. Als rundum gestaltetes Objekt im Raum erfüllte der „Phonosuper“ somit eine weitere Anforderung moderner Einrichtungskonzepte. Dass er über Nacht zum Lieblingsrequisit der Architekten avancierte, verwundert kaum, entsprach er in seiner nüchternen Geradlinigkeit doch auch exakt jenen Blöcken aus Stein, Stahl und Glas, die die Baumeister des Wirtschaftswunders gerade auf die Bombengrundstücke deutscher Städte stellten.


