tv-relax
Hersteller: Kusch + Co
Entwurf: Luigi Colani 1968
Kaum zu glauben, dass man darauf entspannen kann. Die Praxistauglichkeit von LuigiColanis Liege aus den späten 60er Jahren wird durch den imposanten optischen Eindruckselbst in Frage gestellt. Kann eine solch »freie« Form überhaupt zweckmäßig sein? Es gibtkeine Ecken und Kanten, stattdessen weiche Übergänge und Flächen, aus denen nichtsherausragt. Rein physisch besteht der Entwurf aus lediglich zwei Hauptelementen, nämlichder inneren, offenbar formbaren Masse und der textilen Haut. Tatsächlich handelt es sichum eine geschäumte Form, ein Verf a h ren, das bis dahin hauptsächlich aus der Autoindustriebekannt war und hier erstmals bei einem Möbel angewendet wurde. Aus der Rückenlehne»wachsen« am hinteren Ende zwei Füße. Die Konstruktion, die es auch in einer verkleinert e nSesselversion gibt, ruht auf einem zentralen Sockel. Die herkömmlichen Elemente einesSitzmöbels sind aufgelöst und verschmelzen zu einer Gesamtform. Das macht die Liege zueinem Raumgebilde, das einen Vergleich mit Skulpturen von Henry Moore nahe legt. Aberist es nicht auch ein Stück Pop-Art, jener Kunstform, in der Alltagsdinge zu Kunst wurdenund umgekehrt? Trotz ungewöhnlicher Proportionen hat Colani einen Gebrauchgegenstandgeschaffen. Die Sitzmulde ist offenbar der Linie des menschlichen Körpers angepasst, dagegenerinnert die nach vorne gezogene Spitze eher an eine Flugzeugnase. Das Entstehungsjahr1968, dieses längst zum Mythos gewordene Datum, war der Höhepunkt einer kulturellenRebellion. Der damals 40-jährige Colani lieferte passendes Inventar, dessen futuristischeSymbolkraft offenbar bis heute anhält. Jüngst wurde der schwungvolle Diwan auf einerAuktion bei Sotheby’s in New York für einen beträchtlichen sechsstelligen Dollarbetrag versteigert.Da war es höchste Zeit, den großen Wurf neu aufzulegen und nun gibt es ihn wiederin über 60 Farben.


