tizio
Hersteller: Artemide
Entwurf: Richard Sapper 1972
Es war ein Auftrag von Artemide. Richard Sapper nahm ihn an, denn er stellte fest, dass er selbst keine perfekte Arbeitsleuchte hatte. Die Aufgabe entsprach der Quadratur des Kreises, vor die sich Designer so häufig gestellt sehen: Wünschenswert war ein großer Aktionsradius bei möglichst geringem Platzanspruch. Tizio, benannt nach einem Riesen aus der griechischen Mythologie, war eine der frühen Leuchten für die neuen winzigen Halogenlampen, deren Erfindung nur gut ein Jahrzehnt zurücklag und die sich gerade verbreiteten. Dies passte zusammen, da der Wahl-Mailänder eine Leuchte schaffen wollte, die nur an die Stelle Licht wirft, an der man es benötigt, wofür ein kleiner Reflektor ideal ist. Auch für die Konstruktion, die wie ein Mobile funktioniert, war durch das geringe Gewicht der eigentlichen Leuchte von Vorteil. Die Mechanik besteht aus zwei parallelen Armen, die wie ein Turner ums Reck schwingen. Beim Prototyp verwendete Sapper dafür Marmeladengläser, in die er solange Wasser füllte, bis das Gewicht stimmte, beim zweiten Prototyp nahm er aufgesteckte Metallscheiben. Für die Standfestigkeit reichte ein relativ kleiner, topfartiger Fuß, auf dem man Tizio wie einen Baukran drehen kann. So ist die Leuchte extrem variabel und lässt sich in zahllose verschiedene Positionen bringen. Mal ist sie zusammengefaltet und wirkt geduckt, dann wieder hoch aufgereckt und gestreckt. Leichte Berührungen reichen, um die Stellung der Leuchte zu verändern. Der Entwurf ist frei von schmückenden Elementen. Der Leuchtenkopf, den man kippen kann, hat die Form eines Parallelogramms, in dem das Konstruktionsprinzip wiederkehrt. Tizio wurde bis zu Beginn der 90er Jahre per Hand zusammengebaut, obwohl sie für die industrielle Serie entworfen wurde. Sapper kämpfte lange für eine Preissenkung, da er eine wirtschaftliche Leuchte entworfen hatte.


