111
Hersteller: Hewi
Entwurf: Rudolf Wilke 1970
Der Industrielle und Ingenieur Rudolf Wilke entwickelte eine Türklinke, die in einigen Merkmalen dem Entwurf von Walter Gropius aus den frühen 20er Jahren gleicht, sich aber in anderen davon abhebt und durch diese Unterschiede eine mindestens ebenso bedeutende Innovation darstellt wie das berühmte Vorbild. Übereinstimmungen bestehen in der Ausbildung des Griffes als Rundstab und den damit korrespondierenden kreisrunden Beschlägen an Griff und Schlüsselloch. Diese in sich logische Formgebung bestimmt den klaren Gesamteindruck beider Entwürfe. Ein entscheidendes Extra ist die Verlängerung des Modells 111 zu einem „U“ (gerades Mittelstück und zwei 90-Grad-Bögen), wodurch mindestens zwei Nachteile herkömmlicher Griffe vermieden werden: das Abrutschen der Hand und das unfreiwillige Einhaken beim Vorbeigehen. Zu einem Ur-Modell wurde Wilkes Entwurf endgültig durch die Verwendung von Plastik. Dabei handelt es sich um Polyamid aus der Klasse der thermoplastischen Kunststoffe, ein relativ hartes sowie hitze- und witterungsresistentes Material, das eine hohe Formbeständigkeit besitzt. Andere Vorteile des Kunststoffes liegen auf der Hand. Neben der Formbarkeit und der etwas weicheren und wärmeren Oberfläche war der Türgriff plötzlich farbig. Das potenzierte die Gestaltungsmöglichkeiten: von der Orientierungshilfe durch Signalwirkung und Farbsysteme bis hin zu künstlerischen Wirkungen im Kontext zum Interieur. 111, der Nukleus einer ganzen Produktfamilie, wurde so zum Liebling der Architekten und zu einem der meist kopierten Produkte überhaupt.


