Kaffeemaschiene KF 20, Entwurf Florian Seiffert 1972, Hersteller Braun

KF 20

Hersteller: Braun

Entwurf: Florian Seiffert

 

 

Es gab Zeiten, in denen jenes beruhigende Gluckern in Küchen und Büros ein noch unbekanntes Geräusch war. Zwar hatte die automatische Kaffeeaufbereitung bereits eine lange Vorgeschichte und war selbst im Bauhaus ein Thema, aber erst ein halbes Jahrhundert später gelang es, eine elektrische Kaffeemaschine auf Basis des deutschen Filters zum Alltagsrequisit zu machen. Es war die Zeit, in der das Kaffeetrinken – bis dahin eine festliche, ritualisierte Handlung – Volkssport wurde. Dem Industriedesigner Florian Seiffert. Der gehörte damals bei Braun zur jungen Garde der "jungen Wilden", machte sich später unter anderem als Spezialist in diesem Metier selbstständig, kann aber noch weitere bahnbrechende Entwürfe vorweisen, darunter etliche Rasierer (für Braun und Panasonic), daber den Fernseher art 1 (für Loewe). Seiffert gelang ein Modell, das von Anfang an als einer jener Meilensteine galt, die eine Produktgattung definieren. Dabei lässt ein Apparat für das Aufbrühen der schwarzbraunen Bohnen erhebliche Freiheitsgrade. Verschiedenste Konstellationen sind denkbar. Seiffert wählte einen Aufbau nach dem hierarchischen Prinzip des Wasserturms: Oben liegt der Tank, in der Mitte der arretierende Filter und am Boden die auf der Warmhalteplatte stehende Glaskanne. Den kreisrunden Aufriss legten sowohl die Kanne als auch Filter nahe. Aus diesen Prämissen ergab sich eine stattliche, etwa 40 Zentimeter hohe Säule, die in teilweise plakativen Farben zu erwerben war. Die beiden außen geführten Rohre unterstreichen dagegen den maschinellen Charakter des Vorgangs. In der Praxis bedeutete die KF 20 eine erhebliche Rationalisierung, nicht zuletzt durch die denkbar einfache Bedienung von vorn, über einen solitären Kippschalter mit klar erkennbarer An-aus-Leuchte für alle Vergesslichen. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Auch das neue Braun-Modell KF 400 stammt wieder von Seiffert.