Ulmer Hocker, Entwurf Max Bill, Hans Gugelot und Paul Hilbinger 1955, Hersteller Zanotta, Wohnbedarf und Vitra

ulmer hocker

Hersteller HfG Ulm, Reeditionen Vitra, Zanotta u.a.

Entwurf: Max Bill, Hans Gugelot, Paul Hilbinger 1954

 

 

Der multifunktionale Kasten aus dem Gründungsjahr der Hochschule für Gestaltung in Ulm ist untrennbar mit dieser legendären Institution verknüpft, die an das Bauhaus anknüpfte und es an Prinzipientreue noch übertraf. Die Konstruktion ist denkbar einfach: drei rechteckige Fichtenholzbretter, recht- winklig durch Fingerzinken verbunden, ein Rundstab aus Buchenholz, der die Seitenbretter in Bodennähe durchdringt und sowohl als Tragegriff als auch zur Stabilisierung dient. Das ebenso stringente wie asketische Konzept galt als Manifest. Waren Rechteckformen und deren Kombination in Raster- systemen doch das Ideal der Ulmer Neuerer, die rationalistisch geradeaus dachten und denen jeder Schnörkel, jedes Symbol und jede »Unehrlichkeit« ein Gräuel waren. Tatsächlich ist dieses praktische Minimum äußerst vielseitig verwendbar: zum Sitzen in zwei Höhen, als Beistelltisch zum Arbeiten und Frühstücken, als Fußbank, als Transportbehälter, als Tablett, als Podest für Redner und – zu mehreren zusammenstellt – als Sitzbank, Präsentations- fläche und Büchertisch. Außerdem reflektierte die spartanische Form noch ein anderes Faktum: Aufgrund der Geldknappheit an der so berühmten Designschule war an eine aufwändige Ausstattung gar nicht zu denken.