Barwagen, Entwurf Herbert Hirche 1956, Hersteller Holzäpfel

barwagen

Hersteller: Holzäpfel

Entwurf: Herbert Hirche 1956

 

 

Ein Möbel aus Eisen, Glas und Gummi. Schon die Wahl dieser industriellen Materialien könnte kaum programmatischer sein. Hinzu kommt ein Minimalismus, bei dem der Entwurf allein durch seine Außenkanten definiert wird, die zugleich sein hauptsächliches physisches Substrat bilden. Dadurch wirkt der Wagen wie eine Gestalt gewordene geometrische Zeichnung. Ein Gebilde aus abstrakten Flächen und Geraden wird zum theoretischen Objekt. Die Forderung des »befreiten Wohnens« nach visueller Offenheit ist konsequent umgesetzt. Der Gegensatz zu den damals üblichen, fest eingebauten und zumeist verschlossenen Barschränken konnte nicht größer sein. Dieser fast »immaterielle« Servierwagen, der doch recht irdischen Bedürfnissen dient, ist ein Raummanifest auf Rädern und geht an gestalterischer Radikalität über seine Vorgänger der klassischen Moderne hinaus (vgl. S 179 von A. Bamberg aus dem Jahr 1933). Herbert Hirche, der für die Firma Christian Holzäpfel bereits mehrere Wohnmöbelprogramme entworfen hatte, verwirklichte im selben Jahr die Büromöbel DHS 30, bei denen er Rechteckstahlrohr in Schwarz verwendete – eine Lösung, die Schule machen sollte. Die Stahlrohre entsprachen den verschweißten Winkelprofilen des Barwagens, in die sich die Industrieglasplatten einlegen ließen (der mit Hirche bekannte Hans Gugelot verwendet dasselbe Prinzip beim Bett GB 1085). Der Hybrid zwischen Tisch und Regal fuhr auf vier Gummirädern.