Bauhaus Teppich, Entwurf verschiedene Designer 1920, Hersteller Vorwerk

bauhaus teppich

Hersteller: heute Vorwerk

Entwurf: verschiedene Künstlerinnen 1920

 

 

Ebenso vielfältig und divergent wie die am Bauhaus vertretenen Richtungen sind die daraus hervorgegangenen Werke. Dies gilt auch für die Teppiche, ein Metier, in dem sich künstlerischer Ausdruck und mechanische Fertigung begegnen. Die Tatsache, dass dort vorwiegend Frauen tätig waren, ist zwar ein Indiz für den Fortbestand patriarchalischer Strukturen, dennoch war das Bauhaus – exemplarisch für die 20er Jahre – auch ein Ort, an dem libertäre Frauen sich verwirklichten. Aus der „Frauenklasse“ hatte sich eine effizient arbeitende Weberei entwickelt, in der eine harte aber fruchtbare Konkurrenzsituation herrschte und in der die Studentinnen ausgiebig experimentierten. Der Konflikt zwischen freier Arbeit und verwertbaren Entwürfen, mit denen man Geld erwirtschaftete, war stets präsent. So distanzierte sich die Leiterin Gunta Stölzl, die einzige Meisterin am Bauhaus, selbst von den „ideenschweren“ Entwürfen der frühen Jahre. Künstlerinnen wie Anni Albers Gertrud Arndt, Monica Bella-Broner, Kitty Fischer, Lili Reich, Grete Reichardt und Gunta Stölzl kreierten unter schwierigsten Bedingungen eine Vielzahl von Entwürfen, die erst sieben Jahrzehnte später von Vorwerk als Serienprodukte realisiert wurden. Die industrielle Teppichproduktion steckte – im Gegensatz zu den Tapeten – noch in den Kinderschuhen. Die Entwürfe bestehen überwiegend aus klaren Musterungen, in denen geometrische und harmonische Farben dominieren. Anklänge an die neuen abstrakt-kubistischen Kunstströmungen jener Zeit sind unübersehbar. In ihrer Gesetzmäßigkeit sind sie nicht nur das Pendant zur rationalen Architektur und Wohnästhetik.