bauhaustapete
Hersteller: Rasch
Entwurf: verschiedene Designer 1930
Ein solches Produkt schien wie geschaffen für die erste Hochschule, die sich der Gestaltung industriell gefertigter Gegenstände des täglichen Bedarfs widmete, aber der damalige Bauhaus-Direktor Hannes Meyer, Schweizer und strikt antibürgerlicher Sozialist, musste zuerst überzeugt werden. Zu sehr haftete der Tapete der Muff spießiger Behaglichkeit an, der mit dem Anspruch der Avantgarde nicht vereinbar schien. Schließlich wurde ein Wettbewerb unter Studenten ausgeschrieben. Lehrer wie Josef Albers und Joost Schmidt trafen die Auswahl. Etwa 150 verschiedene Tapeten – 14 Muster in jeweils fünf bis 15 Farbreihen – gingen schließlich in Serie. Mit ihrer matten Oberfläche und den feinen Linien, Rastern und Flecken stellten die Bauhaus-Tapeten einen neuen Typus neutraler Wandgestaltung dar, der dem sachlichen Einrichtungsstil entsprach, wie er in Stahlrohrmöbeln und Funktionslampen zum Ausdruck kam. Mit neuen Techniken erzielte man bis dahin nicht gekannte Effekte. So bildeten Farbnuancen eines Pastelltons jeweils ein Muster, das an der Wand optisch verschwamm und lediglich den Gesamtton zum Schwingen brachte. Praktischer Vorteil: Die Bahnen konnten ohne Verschnitt geklebt werden. Aber als die Bauhaus-Tapeten endlich auf den Markt kamen, wollten nur ganze drei Händler das neue Sortiment bestellen. Tapetenfabrikant Emil Rasch, auf dessen Idee das Projekt zurückging, schaltete daraufhin Anzeigen in großen Zeitungen, die tatsächlich zum Erfolg führten. Später war Rasch der einzige, der auch während der NS-Zeit den Namen der verfemten Schule verwenden durfte. Die Bauhaus-Tapeten sind das einzige Industrieprodukt der berühmten Kunsthochschule, das seit seiner Entstehung ununterbrochen in Produktion ist.


