berlin
Hersteller: Anthologie Quartett
Entwurf: Karl Friedrich Schinkel 1830
Der Sieg über Napoleon im Jahr 1815 löste eine rege Bautätigkeit aus, bei der Karl Friedrich Schinkel, der für alle modernen Entwicklungen aufgeschlossene Leiter der preußischen Baubehörde, eine zentrale Rolle spielte. Zu seinen Projekten zählten eine Reihe königlicher Paläste, die von Parkanlagen umgeben waren. Hierfür entstand eine ganze Serie von Parkbänken und -stühlen. Für den Eisenguss, der im Verlauf des 19. Jahrhunderts eine ungeheure Verbreitung fand, entwickelte er einen neuen Möbeltypus. Dessen charakteristische Elemente sind zwei identische, als Ganzes gegossene Seitenteile. Durch ihren auch statisch günstigen Doppel-T-Querschnitt lässt sich der Materialverbrauch und somit auch das Gewicht vermindern. Die verbindenden Stäbe sind in Bohrungen eingelassen. So konnte man mit einer Gussform Bänke verschiedener Länge herstellen. Den sehr einfachen Entwurf schmückte Schinkel mit aus dem französischen Empire entlehntem Dekor. Alle Schmuckformen sind jedoch Teil der Konstruktion. Die einzelnen Elemente lassen sich leicht zusammenfügen. Schinkels Stuhl von 1830 wurde nicht allein für die königlichen Gärten verwendet, sondern ging in verschiedenen preußischen Eisenhütten in Produktion. Seine Entwürfe sind somit ein frühes Beispiel für rationell hergestellte serielle Möbel. Der Mitherausgeber der Publikationsreihe „Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker“ hatte erheblichen Einfluss auf den Geschmack seiner Zeitgenossen.


