mr 50
Hersteller: Berliner Metallgewerbe Josef Müller
Entwurf: Ludwig Mies van der Rohe 1930
Reedition: Knoll International
Eigentlich wollte Mies van der Rohe die von ihm erbaute Villa der Geschäftsleute Tugendhat im mährischen Brünn mit dem Freischwinger MR 10 einrichten (den er drei Jahre zuvor für die Stuttgarter Weißenhof-Siedlung entworfen hatte). Dieser nahm jedoch zuviel Platz weg und die nach hinten geneigte Sitzposition war für einen Esstisch kaum geeignet. Deshalb entstand dieses kleinere, gedrungenere Modell, dessen L-förmiges Polster bequem ist und zu aufrechtem Sitzen animiert (vielleicht ein Grund, weshalb der Stuhl zum beliebten Requisit in deutschen Fernseh-Talkshows wurde). Die rechteckigen Rücken- und Sitzflächen sind zwischen zwei federnden Stahlbögen eingespannt, deren Verbindung kaum sichtbar ist. In der Brünner Villa, in der 24 Exemplare standen, gab es sowohl Versionen in Stahlrohr als auch in Flachstahl, die entweder mit weißem oder mit rotem Leder bezogen waren – lauter optische Ausrufezeichen. Der Stuhl wurde ursprünglich in einer verchromten, einer vernickelten und einer lackierten Version geliefert. Die formale Spannung zwischen dem annähernd rechten Winkel des eingehängten Sitzes und der Bogenlinie des Metalls ist eine Besonderheit dieses Entwurfs. Sie macht ihn zu einem der elegantesten Freischwinger überhaupt.


