kramerstuhl
Hersteller: Thonet
Entwurf: Ferdinand Kramer 1927
Um 1928 bereiste Ferdinand Kramer, damals leitender Mitarbeiter der fortschrittlichen Frankfurter Baubehörde, die Länder Österreich und Tschechoslowakei und besuchte auch die hier ansässigen Werke der Firma Thonet. Fasziniert von der dort praktizierten Massenfertigung, die dem sozialistischen Konzept der billigen Wohnung für alle entsprach, schrieb der Visionär wenig später über diese Erfahrung einen Artikel mit dem Titel „Täglich 18.000 Stühle“ (erschienen 1929 in Die Form). Als Verbindungsmann zu einem der umfangreichsten kommunalen Wohnbauprogramme war er natürlich für Thonet interessant und blieb mit dem Unternehmen in Verbindung. Der Kramer-Stuhl entstand aus konkretem Anlass als Ausstattung des Berufspädagogischen Instituts der Stadt Frankfurt, über dessen Einrichtung Kramer zu entscheiden hatte. Er wurde in den Varianten mit und ohne Armlehne produziert. Es gab ihn naturfarben und Schwarz lackiert. Sitz und Rückenlehne bestanden aus Sperrholz, der Rest aus Bugholz. Die Zeitschrift „Das Neue Frankfurt“ zeigte ihn in seinem Entstehungsjahr auf der Titelseite als Ankündigung für die Ausstellung „Der Stuhl“. Er galt als leuchtendes Beispiel für den reformerischen Wohnpragmatismus. Auffällig sind die relativ große, quadratische und nahezu plane Sitzfläche sowie der originelle Unterbau. Vorder- und Hinterbeine gehen über einen Bugholzbogen ineinander über und werden durch vier weitere eingespannte Bögen stabilisiert. Kramers gedrungen wirkende Konstruktion haftet das herbe Flair der Frankfurter Variante der „Neuen Sachlichkeit“ an.


