b 32
Hersteller: Thonet
Entwurf: Marcel Breuer 1929
Reeditionen: Gavina, Knoll International
Als der Stuhl unter der Bezeichnung B 32 Ende der 20er Jahre auf den Markt kam, war der patentrechtliche Streit um die Urheberschaft des Freischwingers, in den Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe und Marcel Breuer ebenso verwickelt waren wie die Firma Thonet, gerade in vollem Gange. Das Neuartige lag darin, dass Breuer die beiden biegsamen Werkstoffe Bugholz und Stahlrohr, die für das moderne Möbeldesign eine so entscheidende Rolle gespielt hatten, erstmals in einem Entwurf vereinigte. Die kühle Härte des Metalls kombiniert mit der Weichheit eines Holzrahmens ergab eine neue wohnliche Qualität, die durch die Verwendung von durchbrochenem Rohrgeflecht – einer traditionellen Stuhlbespannung – noch unterstrichen wurde. So nimmt es auch nicht Wunder, dass dieser einfache Stuhl Breuers größter kommerzieller Erfolg wurde. Der sachliche Stil war Ende der 20er Jahre auch in der Architektur zu einer tonangebenden Richtung geworden. Das Bauhaus war en vogue und liberale Bürger bereit, sich die modernen Möbel zuzulegen, insbesondere wenn sie wie hier nicht ganz so radikal aussahen. Später sollten die Modelle B 32 und B 64 (mit Armlehnen) zu einem Urbild der Möbelmoderne werden, in Gestalt massenhaft vertriebener billiger Kopien und als erste »Reedition«. 1962 brachte die italienische Firma Gavina den Stuhl unter dem Namen Cesca (nach Breuers Tochter Francesca) heraus und verwendete dafür den Begriff »Klassiker«.


