Stuhl 2200 "Frankfurter Stuhl", Entwurf Anonym 1936, Hersteller Magazin

2200

Hersteller: Bombenstabil

Entwurf: anonym 1936

Reedition: Magazin

 

Er stand und steht noch immer in Hinterzimmern der Post, der Bundesbahn (die ihn bis 1987 bezog) und manch anderer Ämter. Er war so selbstverständlich, dass er weitgehend ignoriert wurde, obwohl er vom Designstandpunkt aus durchaus interessant ist. Handelt es sich doch um ein auf die notwendigsten Teile reduziertes Massenprodukt. In seiner unprätentiösen Einfachheit liegt seine Qualität. Es handelt sich um einen Bugholzstuhl nach der Methode Thonet. In den 20er Jahren wurden ähnliche Modelle im Zuge der »Neuen Sachlichkeit« von zahlreichen Herstellern hauptsächlich als Küchenstühle produziert. Die Firma Bombenstabil aus Frankenberg (heute Stoelcker) entwickelte Mitte der 30er Jahre einen Stuhl aus Buchenschichtholz, dessen Produktion noch wesentlich vereinfacht war. Die Höhe der Sitzzarge wurde z. B. vergrößert, wodurch Versteifungsleisten unnötig wurden. Vorderbeine, Vorderzarge und die gebogene Hinterzarge verleimte man in einem Arbeitsgang. 1936 kam das Modell 2200 auf den Markt, mit dem die Mannschaftsunterkünfte der im selben Jahr ausgetragenen Olympischen Spiele in Berlin komplett ausgestattet wurden. Später übernahmen zahlreiche Behörden diesen »Volksstuhl«. 2200, dessen Wurzeln in den 20er Jahren und davor liegen, ist, ähnlich wie der Volkswagen, ein Beispiel für die erstaunliche Kontinuität der Designmoderne in Deutschland. Dass dieser schlichte, »anonyme« Stuhl nun von Magazin produziert wird, passt haargenau in die Konzeption dieses Herstellers.