Stuhl MR 10, Entwurf Ludwig Mies van der Rohe 1927, Hersteller Knoll International, Tecta und Thonet

mr 10

Hersteller: Berliner Metallgewerbe

Entwurf: Ludwig Mies van der Rohe 1927

Reeditionen: Knoll International, TectaThonet

 

Mies van der Rohes Weltkarriere begann mit dem hinterbeinlosen »Freischwinger« (oder auch »Kragstuhl«), einem neuen Sitzmöbeltypus mit Vorgeschichte, den er Mart Stam bei der Vorbereitung auf das Weißenhof-Projekt abgeschaut hatte (ein Grund für jahrelangen juristischen Zwist). In dem Entwurf steckte außerdem Marcel Breuers damals erst zwei Jahre alte Idee, Stahlrohr statt Holz zu verwenden. Mies van der Rohe kombinierte beide Neuerungen. Seine Synthese hat nicht zuletzt den Vorteil, dass der »Freischwinger« wirklich schwingt. Dies wurde durch zwei Merkmale erreicht: technisch durch die Ausführung in nahtlosem, mehrfach gezogenem Rohr und gestalterisch durch die vorderen Rundbögen der Kufen. Durch diese Kurven, die dem Sessel zudem seine besondere Eleganz verleihen – durchaus ein Markenzeichen Mies van der Rohes –, wird die Federwirkung voll ausgeschöpft (im Gegensatz zu den rechtwinkligen Entwürfen von Stam und Breuer). Die Elastizität erhöht zusätzlich den Sitzkomfort. Von Anfang an gab es den originellen Stuhl mit verschiedenen Bespannungen (Leder, Stoff oder naturfarbenes Geflecht) sowie mit und ohne Armlehnen. Diese ist unauffällig am Stuhlrücken befestigt, aber mit einer unübersehbaren Klammer an die Vorderbeine montiert. Durch das Schwebeprinzip und die sachliche Formensprache fügt sich MR 10 in die Reihe der bedeutendsten Möbelentwürfe des 20. Jahrhunderts. Er gilt als Ikone der Moderne, wozu auch beigetragen haben dürfte, dass er im Gegensatz zu anderen Bauhaus-Möbeln fast durchgängig produziert wurde.