barcelona
Hersteller: Berliner Metallgewerbe
Entwurf: Ludwig Mies van der Rohe 1929
Reedition: Knoll International
Die Sitzmöbel, die Ende der 20er Jahre für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona entworfen wurden, verdienen den Namen Klassiker. Zum einen, weil das Ensemble des lichten Pavillons den unterkühlten Wohnstil – später »Internationaler Stil« genannt – weltweit bekannt machte. Zum anderen, weil es historische Bezüge zur Antike gibt. So haben wohl griechische Klappstühle (Scheren- oder Faltstuhl als Thron für Gottheiten und Herrscher) als Anregung gedient. Es handelt sich also gewissermaßen um einen neuzeitlichen Thron (ohne Klappfunktion). In der Tat erfüllte MR 90 bereits in seinem ursprünglichen Kontext höchst repräsentative Zwecke. Diese Konzeption steht im Gegensatz zu den sozialen, ja sozialistischen Zielen, die zahlreiche Protagonisten des »Neuen Bauens« damals vertraten. Mies van der Rohe verwendete Bandstahl und Lederpolster auf der Weltausstellung in feierlichem Weiß. Der Sessel Barcelona war ein Luxusmöbel und überdies kaum für die Serie geeignet. Das Gestell musste von Hand aufwendig verschweißt werden, weshalb der Sessel auch erst ab 1948 in einer veränderten Version produziert wurde. Dennoch handelte es sich um einen überaus innovativen Entwurf, der das Repertoire der Moderne erweiterte. Die separaten, größengleichen und einzeln abnehmbaren Sitz- und Rückenpolster »fallen« von selbst in die gewünschte Position. Dabei gewinnt der Sessel seinen optischen Reiz nicht zuletzt aus dem Gegensatz des geschwungenen Gestells zu den eher statisch wirkenden Lederquadern.


