urbino
Hersteller: KPM
Entwurf: Trude Petri 1931
War die „Neue Sachlichkeit“ auch schon weit in den deutschen Alltag vorgedrungen, beim Geschirr, dem – neben dem Silberbesteck – wichtigsten Statussymbol des bürgerlichen Haushalts dominierten noch lange die Abbilder historischer Stile. Wie stark der Modernismus jedoch bereits das Lebensgefühl weiter Kreise beeinflusste, zeigt allein die Tatsache, dass sich ein so traditionsreicher Hersteller wie die Berliner Porzellanmanufaktur die Avantgardistin Trude Petri ins Haus holte. Mit Urbino, ihrem stringentesten Entwurf, der aus der Grundform des Kugelabschnittes aufgebaut ist, schuf sie einen neuen Typus, dessen visuelle Kraft allein aus der klaren Linienführung stammte und der erstmals einen deutlichen Kontrast zu den so dominierenden Vorbildern aus vergangenen Jahrhunderten setzte. Angeregt durch die randlosen Urbino-Teller der italienischen Renaissance und die Eleganz ostasiatischer Gefäße, gelang Petri ein Service, dessen schalenförmige, bordlose Teller und Schüsseln ebenfalls aus Kugelabschnitten entwickelt sind. Dass sie, insbesondere bei den Kannen, Proportionen erfand, die ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus waren, müssen ihre Zeitgenossen gespürt haben. Der abgezirkelte Entwurf erhielt in den 30er Jahren höchste internationale Anerkennung, so auf der Triennale in Mailand und auf der Weltausstellung in Paris. Noch 1950, dem Beginn des Jahrzehnts, das ihren Formvorgaben folgen sollte, wurde Urbino – wie das weit moderatere Service 1382 von Wilhelm Gretsch – im New Yorker Museum of Modern Art der Welt als vorbildliches „Good Design“ präsentiert.


