service mit blattdekor
Hersteller: Porzellanmanufraktur Meißen
Entwurf: Richard Riemerschmid 1903
Stark beeinflusst durch die neu entdeckte Kunst Ostasiens hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in England und Frankreich ein Aufschwung der Keramik- und Porzellanproduktion stattgefunden, der sich im Jugendstil noch einmal steigerte. Es ist bezeichnend für Riemerschmid, dass er alle diese an Exotik und Raffinement orientierten Vorbilder nicht berücksichtigte, ebenso wenig natürlich wie den Schwall an nutzlosem Nippes, der die Wohnungen überschwemmte. Die von den Manufakturen verfolgte neue Formgebung wurde zu diesem Zeitpunkt geradezu zu einer Überlebensfrage auf dem Markt. Dies gilt für die Westerwälder Steinzeugindustrie wie für die Porzellanmanufaktur Meißen, für die auch bereits Peter Behrens und Henry van de Velde gearbeitet hatten. Im Vergleich mit der schwingenden Eleganz der Meißener Jugendstilproduktion, für die ein van de Velde steht, brachte Riemerschmid eine geradezu derbe Komponente ein. Sein Geschirr zeichnet sich durch einfache Formen und ein reduziertes Blatt-, Ranken- und Fruchtdekor aus, das möglicherweise von den unkomplizierten Mustern der volkstümlichen Bunzlauer Produktion inspiriert gewesen sein könnte. Auch seine späteren Serviceentwürfe für Haus und Hotel standen ganz im Zeichen der Gebrauchsqualitäten. Ähnlich schlicht und geradezu archetypisch sind seine zahlreichen Bierkrüge, deren herausragendes ästhetisches Niveau vollends im Vergleich mit den bis dahin weit verbreiteten und bis heute üblichen, häufig schlecht proportionierten und mit Kitsch übersäten Humpenungetümen deutlich wird.


