form 1382
Hersteller: Arzberg
Entwurf: Hermann Gretsch 1931
Unmittelbar nach seiner Anstellung als künstlerischer Leiter bei Arzberg entwarf Hermann Gretsch dieses Geschirr, mit dem er eine neue Epoche auf dem Esstisch einleitete. Seit seiner Vorstellung auf der Leipziger Herbstmesse wird es für seine Schlichtheit gelobt, die es von den damals üblichen Stil- und Art déco-Servicen angenehm unterschied. Es gab noch mehr Besonderheiten: „Form 1382“ war Tee-, Kaffee- und Tafelservice in einem und als erstes seiner Art auch in Einzelteilen zu kaufen. Fünf Jahre nach seiner Einführung wurde es mit der Goldmedaille der VI. Mailänder Triennale ausgezeichnet. Noch 1950 wurde es in der Ausstellung „Good Design“ des New Yorker Museum of Modern Art als vorbildlich präsentiert. Einrichtungszeitschriften und Illustrierte benutzten 1382 immer wieder als Hintergrunddekoration (vergleichbar Richard Sappers Leuchte Tizio aus den 80er Jahren). Durch die rundlich-moderaten Formen wirkte 1382 nicht so konstruktivistisch wie Marianne Brandts Teeservice von 1924 und nicht so minimalistisch wie Trude Petris Urbino. Modernismus als Hausmannskost: Besonders gelungen ist die Teekanne, deren Schnabeltülle und Ohrenhenkel mit dem Kugelkörper ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Ihr Schöpfer propagierte Schnörkel- und Verzierungsverzicht. Bereits der sachliche Name – man nahm einfach die Produktionsnummer – war programmatisch. In den Regalen der Kaufhäuser mögen die undekorierten Tassen, Teller und Terrinen noch häufig wie ein Fremdkörper gewirkt haben. Aber Gretsch schaffte den Spagat zwischen Avantgarde und Massengeschmack, was schon die erstaunliche Tatsache zeigt, dass das Erfolgsgeschirr bis heute ununterbrochen produziert wurde.


