regal eiermann
Originaledition von Egon Eiermann
Entwurf: Egon Eiermann, Fritz Jaenecke 1932
Reedition: Richard Lampert
Durch die verheerende Weltwirtschaftskrise, die 1929 einsetzte, wurden die ohnehin auf das „Existenzminimum“ ausgerichteten Wohnungsprogramme der Weimarer Republik einem noch stärkeren Sparzwang unterworfen. Dieser Druck setzte aber auch kreative Kräfte frei. Ab 1930 fanden eine ganze Reihe von Wettbewerben und Ausstellungen statt, die dazu dienten, gute Einfälle für kleine, billige und in Selbstbauweise erstellbare Wohnhäuser zusammenzutragen. Bei solch einer Schau, die im Sommer 1932 unter dem Titel „Sonne, Luft und Haus für alle“ in Berlin stattfand, beteiligte sich auch der Architekt Egon Eiermann, damals ein junger Mann Ende Zwanzig. Er zeigte unter anderem ein Regal, das es in dieser Konstruktionsweise vorher noch nicht gegeben hatte. Die Grundelemente sind zwei Rohre, von denen mit Löchern versehene Bretter „aufgefädelt“ werden. Für die Fixierung gibt es zwei Versionen: Entweder kann es mittels Stiften an die Wand geschraubt werden oder die Rohre werden zwischen Boden und Decke verspannt. Besonders die letztere Variante war äußerst innovativ, aber insgesamt handelte es sich um ein ungewöhnlich leichtes, vollkommen neues Konstruktionsprinzip und eine neue Statik, die das traditionelle Regalraster erstmals überwand. Dieses einfache, unprätentiöse, ja antibürgerliche Regal ging damals nicht in Produktion. Schließlich passte es so gar nicht zum rustikalen Ideal, das nach 1933 im Nationalsozialismus um sich griff. Es gab jedoch Einzelanfertigungen, die Eiermann bei Bauaufträgen verwendete. Sieben Jahrzehnte nach seiner Entstehung ging Eiermanns Archetyp bei Richard Lampert erstmals in Serie.


