tee-extrakt-kännchen
Hersteller: heute Tecnolumen
Entwurf: Marianne Brandt 1924
Die Teekanne war Bestandteil eines Services, von dem heute nur ein einziges komplettes Exemplar bekannt ist. Sie entstand gegen Ende von Marianne Brandts erstem Jahr am Bauhaus, in dem sie noch Lehrling war, und verdeutlicht das enorme Talent sowie den Mut, auch bei Gebrauchsgegenständen radikal neue Wege zu gehen. Anders als bei den elektrischen Kannen von Peter Behrens, die zu dieser Zeit noch im Handel waren und die sich an traditionellen Formen orientierten, schuf Brandt einen eigenständigen Typus. Wie bei den gleichzeitig entstandenen Aschenbechern setzte sie an die Stelle des herkömmlichen Standringes zwei kreuzförmig angebrachte Balken, in die die Halbkugel des Kannenkörpers förmlich einsinkt. Die durch die exakt mittige Teilung entstandene kreisförmige obere Fläche ist als plane Ebene belassen, genauso wie der darauf aufgesetzte, ebenfalls kreisförmige Deckel. Weil auch der Holzgriff des Originals eine halbkreisförmige Scheibe ist, lässt den Entwurf wie eine Übung aus dem Geometriebuch erscheinen. Die nun wieder hergestellte Replik (von Tecnolumen) hat einen Bügelgriff, der ebenfalls einen Halbkreis beschreibt. Tatsächlich ist diese Kanne so etwas wie die Verkörperung der Gestaltungsgrundsätze, die damals an der Metallwerkstatt galten: Die Einzelformen sind denkbar einfach und klar gegeneinander abgesetzt. Durch diese additiv-konstruktive Methode konnte auch der Kontrast der Materialien geschickt für die optische Wirkung genutzt werden, wobei es eine Anzahl unterschiedlicher Ausfertigungen gibt. Neuartig war dabei die Kombination verschiedener Metalle. Obwohl noch völlig handwerklich hergestellt, ist der Vorgang des Metalltreibens hier nicht mehr sichtbar. Das Kännchen nahm so bereits einen maschinellen Charakter an. Der Gesamteindruck ist trotz der peniblen Befolgung formaler Regeln keineswegs künstlich, sondern sehr harmonisch.


