Fischplatte, Entwurf Herman Gradel 1899, Hersteller Nymphenburger Porzellanmanufraktur

porzellangeschirr fischplatte

Hersteller: Nymphenburger Porzellanmanufraktur

Entwurf: Herman Gradel 1899

 

 

Als die Nymphenburger Porzellanmanufaktur im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille erhielt, war dies auch ein Zeichen für einen künstlerischen Aufbruch, denn auf vorangegangenen internationalen Messen hatten deutsche Produkte selten mit ihrer vorbildlichen Ästhetik geglänzt. Dieses Porzellan, das unschwer dem gerade auf seinem Höhepunkt befindlichen Jugendstil zuzuordnen ist, wurde aber ganz offenbar allein aufgrund der gestalterischen Leistung prämiert. Dass sein Schöpfer, der Maler Hermann Gradl, zu dieser Zeit nicht einmal 20 Jahre alt war, ist für die damalige Situation durchaus typisch, in der junge Künstler nach vorne preschten und auch in den Porzellanmanufakturen ein Betätigungsfeld fanden. Nicht zuletzt über den Esstisch gelangte die neue Geschmacks- und Kunstrichtung – französisch Art Nouveau – in die gehobene bürgerliche Wohnung. Der gebürtige Bayer Gradl, der später als einer der Lieblingsmaler Hitlers zweifelhafte Berühmtheit erlangte, schuf eine kleine aber komplexe Komposition aus einer flachen ovalen Schale und gegenständlichen bis leicht abstrahierten Motiven, deren Proportionen mit den Umrissen des Schalenkörpers auf harmonische Weise korrespondieren. Auch die Umrandung hat der Künstler geschickt dazu genutzt, die Lebendigkeit der Linienführung noch zu erhöhen. Die stilisierten Wasserpflanzen stehen in Kontrast zu den naturalistisch dargestellten Tieren. Natürlich wurde jeder Teller mit einem anderen Motiv bemalt. Gradls Geschirr markiert die Ablösung historisierender Stilplagiate durch eine erfinderische Formenfreiheit.