zeitdokumente
Hersteller: Bär + Knell
Entwurf: Beata & Gerhard Bär, Hartmut Knell
Am Anfang war der Ärger, dass aus Bergen von Kunststoffmüll nichts anderes fabriziert wurde als Abflussrohre oder Blumenkübel. Drei junge Kreative entwickelten die Idee, Möbel aus PET-Flaschen und Plastiktüten entstehen zu lassen. Bei der Wiederverwendung sollten die ursprünglichen Farben der Verpackungen und die dem Verbraucher geläufigen Logos erhalten bleiben und nur durch den Herstellungsprozess verfremdet werden. Jedes Objekt bleibt so ein Einzelstück und wird zur Dokumentation des Alltäglichen. Es handelt sich um Möbel, die Schicht um Schicht die Dingwelt und Lebensgewohnheiten einer modernen Industriegesellschaft enthalten. Dahinter steckt die Lust am Experiment, die Suche nach technischen Verfahren, die die Geschichtshaltigkeit der Kunststoffabfälle und ihre besondere Zusammensetzung hinüberzuretten in ein neues Dasein. Eine verzerrte Aldi-Tüte zieht sich über die Sitzfläche: Der ausgiebig publizierte Sessel Zeitdokumente heißt nicht nur so. Er ist ein Schnappschuss des real existierenden Kapitalismus, eine Anspielung auf die sich abwechselnden Konsumvorlieben, Trends und Moden. Recycling mit künstlerischer Tiefe. Die Möbel von Bär + Knell haben etwas von Ready-made, Pop-Art, erinnern an die Werke der französischen Decollagisten, aber auch an die spontanen Klecksbilder eines Jackson Pollock. Hinzu kommt der explizite Designbezug. Zeitdokumente bedient sich der Physis des »Bofinger-Stuhls« BA 1171 (1966). Später haben Bär + Knell auch den Stuhlklassiker SE 68 von Egon Eiermann mittels recyceltem Fleckenmuster ins Hier und Jetzt transformiert.


