verspanntes regal
Hersteller: Nils Holger Moormann
Entwurf: Wolfgang Laubersheimer 1984
Zwei parallele Seitenstreifen aus Stahlblech sind durch fest verschweißte Regalböden gleicher Tiefe (30 Zentimeter) und gleichen Materials miteinander verbunden. Durch ein einseitig gespanntes Stahlseil entsteht eine leichte Biegung in der Senkrechten. Dabei handelt es sich nicht um Dekoration oder einen Gag, sondern die Spannung verleiht der schlanken Konstruktion erst die für ein Regal unabdingbare innere Stabilität. So wird der entscheidende Nachteil von Blech beim Regalbau durch einen einfachen, patentgeschützten Kniff kompensiert. Es entsteht ein Spannungsgleichgewicht, das an das Prinzip des Freischwingers erinnert. Die Versteifung korrigiert die Labilität des Materials (vergleichbar dem Fachwerkbau), wodurch das Regal tatsächlich ungewöhnlich standfest ist und ohne ins Schwanken zu geraten bis zu drei Tonnen Lesbares und Unlesbares tragen kann. Laubersheimer, dem es immer um den reduzierten Entwurf ging, lieferte damit neben Stilettos Consumer’s Rest eines der wenigen Möbelstücke des »Neuen Deutschen Designs«, das in Serie ging. Dass es bis heute in Produktion ist, verwundert bei der ihm inhärenten Funktionalität nicht. Wer will, kann darin genauso einen subtilen Angriff auf den im klassischen Funktionalismus so sakrosankten rechten Winkel sehen.


