velvet
Hersteller: WMF
Entwurf: Neunzig° Design 1998
In diesem Bereich, in dem ein einziger Millimeter schon einen erheblichen Unterschied macht und viel Sensibilität und jede Menge Erfahrung dazu gehört, um das harte Material zu beherrschen, sind Anfänger eher selten. Deshalb war es schon sehr ungewöhnlich, dass das erste Serienprodukt von Studio Neunzig Grad ausgerechnet ein Besteck war – die Königsdisziplin der Metallwaren. Die Designer Barbara Funck und Rainer Weckenmann haben ihre Eigenentwicklung Mitte der 90er Jahre bei WMF vorgestellt. Sie waren erfolgreich, weil eine neue Idee dahinter steckte. Es ging ihnen nicht um den in diesem Metier üblichen geometrischen Minimalismus, sondern um eine formale Sparsamkeit, die der Natur selbst abgeschaut wurde. Das sieht man dem Modell Velvet auf den ersten Blick gar nicht an, denn der entscheidende Unterschied ist die Rückseite, die eine Hohlkehle hat. Es handelt sich um eine Struktur, wie sie sich etwa bei einem Grashalm findet, der bekanntlich mit wenig Material große Stabilität erreicht. Dasselbe Prinzip, das wir auch von Autokarosserien kennen, wird hier auf die Griffe angewandt, wodurch sie leichter sind, deutlich mehr Tiefe haben, sich besser umgreifen lassen und sich fülliger anfühlen. Der organische Ansatz wird durch die insgesamt geschmeidige Linienführung unterstrichen. Welche gestalterische und technische Feinarbeit nötig war, um dies zu erreichen, zeigt allein die Entwicklungszeit von über einem Jahr, bis Velvet schließlich auf den Markt kam. Auch die Kunden haben die bionische Botschaft erkannt. Das langlebige und in Deutschland produzierte Besteck ist inzwischen auf 26 verschiedene Teile ausgebaut worden, darunter so Exotisches wie ein besonderer Vorlegelöffel für Kartoffeln.


