Armatur Tara, Entwurf Sieger Design 1992, Hersteller Dornbracht

tara

Hersteller: Dornbracht

Entwurf: Sieger Design 1992

 

 

Auch im Design regiert der westliche Fortschrittsglaube. Für die Konzeption des Bades bedeutet dies, dass durch immer weiter verbesserte Technik der Waschvorgang optimiert wird. Der Einhandmischer, der in dem im selben Jahr entstandenen Modell Arcor eine formale Vollendung fand, repräsentiert dies perfekt. Wenn nun Sieger Design einen Schritt zurück machten und bewusst die ursprüngliche, überwunden geglaubte Zwei-Hebel-Lösung verwendeten, drückt sich darin zwar kein Kulturskeptizismus aus wie natürlich auch keine Absage an hohe technische Standards. Es ist aber sehr wohl eine praktische Kritik an der Eindimensionalität gestalterischen Denkens. Wie die durch Otl Aicher angestoßene Überwindung der rein funktionalen Küche, symbolisiert das Modell Tara den Versuch, die Idee des Bades um neue Dimensionen zu erweitern, die über Schnelligkeit und Effektivität hinausgehen und einer Sinnlichkeit Raum lassen, wie sie in östlichen Badekulturen zu finden ist. Formal nutzt das Studio Sieger die bereits in der Dopplung angelegte Symmetrie. Die auf einfache Rundstäbe reduzierten Hebel sind Kreuze, das heißt äußerst prägnante Zeichen, die weit in die individuelle und kollektive Erinnerung hineinreichen. Auch das wasserführende Rohr mit seinem großen, kreisrunden Radius hat ikonografischen Charakter. Sagt es nicht auch, dass Langsamkeit einen Wert darstellt? Die Retroarmatur wurde weltweit vielfach ausgezeichnet und mindestens ebenso oft kopiert.