Wohnlandschaft auf der Kölner Möbelmesse 1971, Hersteller Rolf Benz
Sofasystem Lava, Entwurf Vertijet 2007, Hersteller COR

1968 Innovation Wohnlandschaft

 

 

Es war Sofa, Sessel, Liege und Hocker in einem. Weil die traditionellen Möbelbegriffe nicht passten, musste ein neuer erfunden werden. Die Firma Habit nimmt für sich in Anspruch, die erste »begehbare Wohnlandschaft« Ende der turbulenten 60er Jahre auf der Kölner Möbelmesse präsentiert zu haben. Die Quellen dieser deutschen Innovation, die die Kulturgeschichte des Sitzens um eine weitere Dimension bereicherte, sind offensichtlich. Einerseits handelt es sich um die We i t e rentwicklung des hierzulande so verbreiteten Systemgedankens. Wie die Bausteine der von Braun entwickelten Stereoanlage wurden hier die Sitzelemente gestapelt, die so gesehen ebenfalls ein Novum darstellten, denn herausnehmbare Polster hatte es bis dahin nur einzeln gegeben. Durch vertikale und horizontale Kombination entstand die »Landschaft« mit unterschiedlichem Höhenniveau. Dies konnte bei dem interaktiven Möbel immer wieder verändert werden, wodurch es sich für verschiedene Tätigkeiten eignete, mithin also multifunktionell war. Die förmliche Haltung war passé.

 

Die Trennung von Sitzen und Liegen wurde ebenso aufgehoben wie die zwischen Raum und Möbel. Die Wohnlandschaft, bei der auf ein Gestell verzichtet wurde, bildete eine Einheit mit dem Boden. Nun waren Matratzenlager und demonstratives Auf-dem-Boden-Sitzen ein integraler Bestandteil des damaligen Jugendprotestes, ohne den die Entstehung der variablen Lagerstätte ebenfalls nicht denkbar ist. Nahezu jeder Hersteller entwickelte bald seinen eigenen Landschaftstyp, wie etwa Otto Zapf das P i l l o r a m a. Nun erlebt das Möbel mit Bodenhaftung in aktuellen Entwürfen wie dem Modell L a v a von Studio Vertijet ein spätes Revival.