Radio Volksempfänger VE 301, Entwurf Walter Maria Kersting 1928, Bildquelle Quittenbaum
Propagandaplakat 1933

1933 Innovation Volksempfänger

 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Rundfunk zum wichtigsten Massenmedium ausgebaut. Schon im August 1933 stellte Propagandaminister Joseph Goebbels auf der 10. Funkausstellung in Berlin den "Volksempfänger VE 301" vor. Dieses billig produzierbare und erstmals halbwegs erschwingliche Mittelwellen-Gerät bahnte Hitler den Weg ins deutsche Wohnzimmer.

 

Das Projekt "Volksempfänger " ist in mancherlei Hinsicht typisch für die NS-Politik. Der Entwurf dieses rechtwinkligen Bakelit-Gehäuses von Walter Maria Kesting stammt aus dem Jahre 1928. Mit seiner schnörkellosen, klar gegliederten Front ist es der "Neuen Sachlichkeit" zuzurechnen. Es ist somit auch ein Beispiel für die gestalterische Kontinuität, wie sie ebenso in anderen Bereichen festzustellen war. Ferner zeigt sie den Hang der Nationalsozialisten zur technischen Moderne, die sie effektiv für ihre Zwecke nutzten und dabei oftmals ohne Bedenken auf Vorarbeiten der verketzerten Weimarer "Systemzeit" zurückgriffen. Dagegen machte die markante Bezeichnung "Volksempfänger" das Gerät zum eigenen Projekt, eine sprachschöpferische Methode, die das Regime ein ums andere mal werbewirksam anwandte, die dem Ruf der deutschen Sprache allerdings nicht gut bekam.

 

Bis 1941 stand er in zwei von drei deutschen Haushalten. Ende der 30er Jahre waren über 12 Millionen Apparate unter staatlicher Lenkung produziert worden, und zwar von sämtlichen Herstellern, darunter auch Braun und Loewe. Durch "Gemeinschaftsempfang" im Betrieben und in Ämtern wurden bei "Führer-Reden" etwa 90 Prozent der Bevölkerung erreicht.