Neues Bauen: Altstädter Schule in Celle, Architekt Otto Haesler 1928
Einfache Schalter, Hersteller Berker 1930
Neues Wohnen: Bauhausteppich um 1920, Reedition Vorwerk

1925 Innovation Sachlichkeit

 

Neue Sachlichkeit. Eine Kunstausstellung in der Mannheimer Kunsthalle zeigt 1925 einen gestochen scharfen, in Deutschland entstandenen realistischen Malstil. Zu dessen wichtigsten, häufig politisch ambitionierten Vertretern zählen unter anderem Otto Dix, Christian Schad, George Grosz, Conrad Felixmüller, Georg Schrimpf und Rudolf Schlichter. Der Titel wird zum Oberbegriff der klassischen Moderne, wie sich nun in nahezu sämtlichen Bereichen manifestierte, von Architektur ("Neues Bauen") und Werbung ("Neue Typografie") über die Produktgestaltung bis hin zu Mode, Literatur und Kunst.

 

Die häufig vertretene Position, der neusachliche Funktionalismus sei eine avantgardistische Randerscheinung gewesen, während die Majaorität der Künstler und Konsumenten weiterhin konservative Geschmacksrichtungen bevorzugte, stimmt nur bedingt. Tatsache ist, dass nahezu sämtliche Hersteller auf den Zug der Neuen Sachlichkeit aufsprangen und neue, schlichte Produktformen, wie etwa Porzellanservice, schließlich auch den Weg in die gute Stube der Mittelschichten fanden. Dass sich unter anderem die großen Mineralölgesellschaften in Deutschland Ende 20er Jahre ebenfalls ein neusachliches Image gaben, ist ebenfalls ein Indiz für den durchschlagenden Erfog des lakonischen Stils in der zweiten Hälfte der 20er Jahre. Der schaffte schließlich bereits Anfang der 30er Jahre als "International Style" den Sprung über den Atlantik.