Netzsessel, Entwurf Herbert Ohl 1975, Hersteller Arflex
Sessel Nuvola, Entwurf Jutta und Herbert Ohl 2000, Hersteller Wilkhahn

1975 Innovation Netzsessel

 

Die netzbespannte Rückenlehne ist aus heutigen Büros nicht mehr wegzudenken und hat längst auch Eingang in die gute Stube gefunden. Das straff gespannte Netzgewebe ist eine Chiffre für Hightech und Modernität. Dabei hat diese Innovation auch Wurzeln in der Bauhaus-Moderne. Ein leichter Hubschraubersitz und ein Gepäcknetz aus Nylongewebe fügten sich Anfang der der 70er Jahrebeim Designer Herbert Ohl zu der Idee, einen Sessel zu entwerfen, der ein geringes Volumen hat und zugleich transparent und kleingewichtig ist. Das Konzept O-Line, das daraufhin entstand, basierte auf den Ideen der klassischen Moderne der 20er Jahre. Ein deutlicher Hinweis darauf ist schon die Verwendung von Stahlrohr, eine Frage der Stabilität, aber auch der technischen Ästhetik..

 

Die Affinität reicht jedoch weiter: Ohls Neuerung ist die Fortsetzung des von Urvätern der Moderne propagierten "offenen Wohnens" mit den technischen Mitteln der Gegenwart. Erstmals realisiert wurde das Netzkonzept von der italienischen Firma Arflex als ein flacher, bequemer, aus zwei gleichen Teilen bestehender Sessel. Die Weiterentwicklung trieb der Designer selbst voran, indem er in Mailand von Werkstatt zu Werkstatt zog und sogar die Maschine selbst konstruierte, bis schließlich der renommierte Büromöbelhersteller Wilkhahn in das bereits fortgeschrittene Projekt einstieg. Die prägnante Silhouette dieser zweiten Generation bestimmt der aus zwei sphärisch gekrümmten Aluminiumringen bestehende Rahmen, auf dem das elastische Material straff aufgezogen ist. Das Rahmenrohr geht in einen ebenfalls sehr eigenwilligen Metallfuß über, der aus eng aneinander liegenden, konzentrischen Kreisen besteht. Der in vieler Hinsicht ungewöhnliche Entwurf war der Vorläufer jener heute so weit verbreiteten Netzlehnen, die allerdings lediglich bei Bürostühlen Anwendung finden, während die Innovation im Wohnbereich weitgehend brach liegt. Mit Nuvola (Wilkhahn 1982) hat Ohl, nun in Zusammenarbeit mit seiner Frau, eine leichtere Variante folgen lassen: einen stapelbareren Freischwinger, dessen Sesselvariante den Sitzenden mit einer großen, flügelartigen Rückenlehne umschließt.