Sessel MR 10, Entwurf Ludwig Mies van der Rohe 1927, verschiedene Hersteller
Solid, Entwurf Heinz Landes 1986

1927 Innovation Freischwinger

 

Als nahezu logische Folge der Stahlrohrmöbel entstand nur zwei Jahre später der vielleicht spektakulärste Möbeltypus jener Kreativepoche: der Freischwinger oder Kragstuhl. Prinzip: der Sitz kragt über beziehungsweise steht frei in der Luft und wird deshalb beim Gebrauch in Schwingungen versetzt (je nach Entwurf und und dem verwendeten Material). Außerdem handelt es sich, da Teile eingespart werden, um einen leichten Sitztypus, der zudem weniger die Sicht verstellt und, weil häufig auf Kufen stehend, sich auch einfach schieben läßt - allessamt Kriterien, die den Modernisten sehr wichtig waren.

 

Der Holländer Mart Stam reklamiete für diese Innovation Copyright. Ludwig Mies van der Rohe stellte ihn in Gestalt des Modells MR 10 auf der Stuttgarter Weißenhofsiedlung erstmals vor. Die Frage der Urheberschaft, die seitdem strittig war, beantwortet die Literatur mit dem Hinweis auf die Existenz von Vorläufern. In seiner Andersartigkeit und Luftigkeit verkörpert er den Geist des "Neuen Wohnens".

 

Die 80er Jahre brachten mit dem Einschwinger von Stefan Wewerka und Solid von Heinz Landes neue eigenwillige Interpretationen dieses ursprünglich deutschen Themas, das allerdings Einer der berühmtesten Varianten in Kunststoff ist der Panton-Stuhl des Dänen Verner Panton, der seit Ende der 60er Jahre von Vitra hergestellt wird. Damals haben auch andere Designer wie Günter Belzig das schwingende Genre bereichert.

 

Bis heute hat der Schwebeeffekt nichts von seiner Faszination verloren. So haben wichtige deutsche Hersteller aktuelle Freischwinger im Programm, darunter CORInterstuhl, Kusch, Rolf Benz und Wilkhahn.