Vitra
Möbelhersteller, Weil am Rhein / Baden-Württemberg
Für den Außenstehenden sind sie manchmal schwer auseinander zu halten. Unter der Marke Vitra arbeiten zwei Unternehmen: ein auf das Büro spezialisierter Möbelhersteller, der in der europäischen Liga spielt, und ein wirtschaftlich unabhängiges Museum, das sich insbesondere den Sitzmöbeln widmet und unter der Direktion von Alexander von Vegesack markante Beiträge zur Geschichte des Wohnens geleistet hat. Wie kaum eine andere Firma der Branche pflegen die Deutsch-Schweizer ein intellektuelles Verhältnis zu ihrem Produkt. Dabei entstand aber kein monolithisches Image, stattdessen setzte man auf geniale Heterogenität und Multikulturalität. Ende der 50er Jahre begann der Höhenflug mit Entwürfen der Amerikaner Charles und Ray Eames. Ein bahnbrechendes Ereignis war der Panton Chair des Dänen Verner Panton aus den späten 60er Jahren. Die Designer, die seit den 90er Jahren für Vitra arbeiteten, zählen zu Europas Gestalterelite: aus Italien Mario Bellini und Antonio Citterio, aus England Jasper Morrison und Norman Foster, aus Frankreich Philippe Starck und die Brüder Ronan und Erwan Bouroullec sowie jüngst Werner Aisslinger aus Deutschland. Zudem werden wichtige historische Entwürfe des französischen Modernisten Jean Prouvet hergestellt. Hinter der Design- und CI-Strategie steht ein ungewöhnlicher Unternehmer. Rolf Fehlbaum ist eine Leitfigur der Branche. Große Beachtung fand Ende der 80er Jahre die „Edition“ experimenteller Sitzmöbel, die in kleiner Serie aufgelegt wurden. Dazu gehörten „Klassiker“ wie Shiro Kuramatas Sessel aus Metallnetz oder Frank Gehrys Grandpa Chair aus verleimtem Karton. Der Amerikaner Gehry entwarf ebenfalls das Gebäude für das Vitra Designmuseum. Der exaltierte Bau war der Beginn eines Programms, in dessen Verlauf ein halbes Dutzend profilierter Architekten auf dem Firmengelände Akzente setzten, darunter der Minimalist Tadao Ando und die Dekonstruktivistin Zaha Hadid, die die Garage für die Feuerwehr entwarf, die damals noch kaum jemand kannte. An der Wende zum neuen Jahrhundert verwirklichte Vitra mit einem neuen Verwaltungsgebäude die Idee des offenen, flexiblen und komplett vernetzten Büros von morgen.


