Rasch
Tapentenhersteller, Bramsche / Niedersachsen
Es war das einzige umfassende Produktprogramm der berühmten Hochschule für Kunst und Gestaltung und zudem das einzige Produkt, das seit seiner Entstehung im Jahr 1928 ununterbrochen in Produktion ist. Dieser Dauererfolg war für diejenigen, die ihn damals initiierten, alles andere als sicher. Tapetenfabrikant Emil Rasch, auf dessen Idee das Projekt Bauhaus-Tapeten zurückging, nahm, nachdem der Handel mehr als zurückhaltend auf die streng grafische Wandgestaltung reagierte, das Heft selber in die Hand. Er ließ Anzeigen schalten, schaffte so tatsächlich den Durchbruch und wurde selbst nach 1933 neben Arzberg, Pott und anderen zu einem Beispiel für die partielle Kontinuität „Neuer Sachlichkeit“ während des Nationalsozialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg, Modernität wurde zum identitätsstiftenden Moment in der jungen Bundesrepublik, verfolgte Rasch die progressive Linie weiter. Man legte Künstlertapeten auf und bildete mit einem Dutzend Gleichgesinnter, darunter Braun und Rosenthal, einen Verbund, der auf Ausstellungen die „gute Form“ propagierte. Zu den beliebtesten Produkten der 50er Jahre zählten die zeittypischen „abstrakten“ Muster der englischen Designerin Lucienne Day. Auch in den 60er und 70er Jahren brachte Rasch den Zeitgeist an die Wände. Die Kollektion Avantgarde des Essener Grafikers Klaus Dombrowski empfand die amerikanische Pop-Art nach und führte groß dimensionierte Muster in die deutsche Wohnung ein. Ende der 80er Jahre machte Rasch die Designwelle endgültig stubenfähig: In der Kollektion Zeitwände durften deutsche und internationale Designer, darunter Ron Arad, Ginbande, Ettore Sottsass und Borek Sipek, die Tapete postmodern interpretieren – ein früher Fall von Autorendesign. Wenn die Kollektion auch eher in die Museen als an die Kundschaft gelangte, konnte Marktführer Rasch, dessen Umsätze (2005 115 Euro) im Ausland schneller wachsen als im Inland, doch seinen Namen als innovative Marke festigen. Begleitet wurde die Aktion zudem von einer viel beachteten Anzeigenkampagne, bei der mehr oder weniger namhafte Designer vor unbeklebten weißen Wänden posierten. Ein avantgardistischer Tupfer neueren Datums ist die durch den Pop inspirierte Kollektion Colorflage von Markus Benesch. Mit dem jungen Berliner Graffitikünstler Oliver Kray wurde die Serie Colors of Berlin entwickelt, die auf ein jugendliches Publikum zielt, aber auch von Erwachsenen geklebt werden darf.


