Pott
Besteckhersteller, Mettmann / Nordrhein-Westfalen
Die Marke Pott steht für die Überwindung des traditionellen Silberbestecks, das sich neben dem »guten Geschirr« als wichtiges Statussymbol auf dem bürgerlichen Esstisch etabliert hatte. Durch die Einführung schnörkelloser Formen und »ehrlicher«, industrieller Materialien, schuf man – vergleichbar mit Reformfirmen wie Thonet oder Arzberg – einen Produkttyp mit gänzlich neuer Identität. Durch die Umsetzung der Tugenden der klassischen Moderne in ein hochwertig gestaltetes Gebrauchsgut wurde das Unternehmen aus dem Bergischen zur Mustermarke in seinem Metier. Darauf deutete bei der Firmengründung noch gar nichts hin, denn Carl Hugo Pott hatte sich zunächst mit seiner Werkstatt auf das »Damaszieren«, d. h. das Dekorieren von Klingen spezialisiert. Erst nach dem Eintritt des Sohnes Carl Pott in den väterlichen Betrieb um 1930 begann die Fabrikation eigener Bestecke. Der Junior, inspiriert vom neusachlichen Zeitgeist, verfolgte eine völlig neue Linie. Gleich eines seiner ersten Bestecke, das den passend unprätentiösen Namen 2716 trug, erregte international Aufsehen. Dieses Esswerkzeug war von spartanischer Einfachheit und passte zu den neuen Geschirren von Hermann Gretsch oder Trude Petri.
Doch obwohl das Modell 1937 auf der Pariser Weltausstellung prämiert wurde, lehnten nicht wenige Fachhändler Potts Produkte aus den oben genannten Gründen ab. An seinen vom Bauhaus beeinflussten Ideen hat er dennoch festgehalten. Den Lohn bekam er in den 50er Jahren, als die Traditionen verbrannt wurden und Modernität gefragt war. Nun kam auch das Bordbesteck für die Lufthansa von Pott und Entwürfe
von Gleichgesinnten wie Hermann Gretsch oder Wilhelm Wagenfeld erweiterten das Sortiment. Für neue Messer-, Gabel- und Löffeltypen investierte der Unternehmer oft Jahre an Entwicklungszeit. Carl Pott entwarf den Großteil seiner Modelle selber, für die er eine stattliche Zahl an Designpreisen erhielt, als diese noch etwas bedeuteten. Nachdem der Familienbetrieb in der dritten Generation ohne Nachfolger war, wurde
er schließlich von der Firma Seibel Designpartner übernommen und ist seitdem in einem Boot mit Mono; eine Traumliaison zweier Marken aus der deutschen Designaristokratie, die sich trotz gewisser Überschneidungen harmonisch zu ergänzen scheinen. Der Katalog wurde durch die Arbeiten junger Designer erweitert.
Auch wenn sie sich wie der neue Hausdesigner Ralph Krämer mit seinem preisgekrönten Käsemesser Picado ein Quäntchen mehr Freiheit nehmen, so werden sie doch am Pottschen Purismus gemessen.


