Plusmodo

Poggenpohl

Küchenhersteller, Herford / Nordrhein-Westfalen

 

Die wohl bekannteste Küchenfirma der Welt fertigte anfangs noble „Töchterzimmer“ im aufgeräumten Werkstättenstil. 1905, der Jugendstil war bereits wieder passé, entstand ein Küchenschrank mit getrenntem, auf schmalen Stützen stehenden Oberschrank. Dies war bereits ein früher Vorläufer der späteren Zeilenküche, die das traditionelle Büfett ablösen sollte. In den 20er Jahren, als Gasherd und Elektrogeräte aufkamen und Wohnraum knapp war, entstand die „Reformküche“, ein klar gegliederter weißer Schrankkubus, dessen unverwechselbares Merkmal der halbkreisförmige „Funktionsgriff“ auf runder Glasscheibe war. Das Programm war – ähnlich wie Bruno Pauls „wachsende Wohnung“ - auch ein Beispiel für die Übersetzung der „Neuen Sachlichkeit“ in den deutschen Alltag. In dieser Zeit wurde der „Zehnerschleiflack“ zum Qualitätssiegel. Das Prinzip der „Anbauküche“ setzte sich bei Poggenpohl in den 50er Jahren endgültig durch. Unter Walter Ludewig, der das Unternehmen von 1940 bis 1987 leitete, wandelte es sich zu einem der international führenden Küchenhersteller und zu einer der bekanntesten Marken der Möbelbranche. In den Wirtschaftswunderjahren wurden die Anbauprogramme erweitert und perfektioniert, etwa durch die Einführung der Griffleiste. Das Experiment der Kugelküche (1970) von Luigi Colani war eine starke Utopie, blieb jedoch Episode. Ende der 80er Jahre ging Poggenpohl in den Besitz einer skandinavischen Kapitalgesellschaft über. Mit knapp 500 Mitarbeitern wird weiterhin in Deutschland produziert. Weit überdurchschnittliche 75 % gehen in den Export. Mit Programmen wie +Integration, das man 2004 vorstellte und mit dem Design, Hightech und neue Medien verschmolzen werden sollen, entstanden neue Visionen nun explizit für eine designorientierte Kundschaft. Poggenpohl strebt neben Bulthaup nach einer konzeptionellen Führungsrolle. Als zentraler Gedanke schälte sich dabei der Wandel des ehemals monofunktionalen Raumes zu einem vielseitig genutzten Zentrum des Wohnens. Ein Jahr später wurde dieser Faden durch Plusmodo weiter gesponnen. Dieses von dem Spanier Jorge Pensi gestaltete Programm ist nicht zuletzt auch ein Beitrag zur Dialektik des Präsentierens und Verbergens. Eine jüngst veröffentlichte Designstudie zeigt nun, wie die Küche demnächst die Rolle des Wohnzimmers übernehmen wird und das Leben sich mehr und mehr um den Esstisch herum abspielt. Schon arbeitet das Studio Porsche Design daran, solche Erkenntnisse in eine Luxusküche der Zukunft zu übertragen