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Nils Holger Moormann

Möbelhersteller, Aschau / Bayern

 

Als Produzent puristischer Möbel und Gegner von Kleidungskonventionen ist er in der deutschen und europäischen Designszene längst eine feste Größe und eine Ausnahmeerscheinung. Dem Sperrigen aus dem Alpenvorland gelang es, dem deutschen Wohnfunktionalismus ein neues zeitgemäßes Gesicht gegeben zu haben. Er wurde zum Auslöser einer unprätentiösen Span- und Sperrholzmoderne, zu der mittlerweile auch junge Firmen wie Jonas & Jonas, Kaether & Weise, Performa oder Sanktjohanser beitragen. Dabei kam er als Quereinsteiger in die Branche. Anfang der 80er Jahre brach Nils Holger Moormann sein Jurastudium ab und sattelte um. Nach mehrjähriger Durststrecke kam der Durchbruch mit zwei Produkten: Wolfgang Laubenheimers Verspanntes Regal aus Stahlblech begeisterte die Fachwelt und gilt seither als neudeutscher Möbelklassiker. Eine Kippe überzeugte an der Kasse. Der neuartige, nur 16 Zentimeter flache Schuhschrank ist in seiner Einfachheit ebenso exemplarisch für die Moormann’sche Produktkonzeption, wie das Regal Zoll D, ein Modulsystem aus Aluminiumblech. Die „Grundidee“, schrieb die Bundespreis-Design-Jury, „ist die denkbar größte Reduktion beim Material, bei der Verarbeitung und bei der Verbindung der Teile“. Bekannt dafür, dass er auch junge, noch namenlose Designer ernst nimmt, kommen Vorschläge stapelweise ins Haus. In die Entwicklung neuer Produkte wird nicht nur Geld, sondern darüber hinaus „Herzblut“ investiert. Zu den Bestsellern gehört das Regal FNP (von Axel Kufus), eine minimalistische und zugleich hochflexible Konstruktion aus Hartfaserplatten, der man die Kopfarbeit ansieht, die darin steckt. Das gilt ebenso für den superleichten Sperrholztisch Spanato, die Garderobe Hut ab und das Regal Es, das Konstantin Grcic erdacht hat, um das Leben von Bibliothekaren und Privatgelehrten zu erleichtern. Mit dem Tisch Kant (von Frey & Boge), dessen Platte hinten einknickt, machte er sich bei Schreibtischtätern beliebt. Zu den neueren Produkten gehören die modulare Wandablage Erika (von Storno), das Taschenbuchregal Buchstabler (von Tom Fischer) und das Gartenobjekt Walden, Moormanns eigener, groß dimensionierter Beitrag für das Leben im Garten. All diese Objekte haben eine sehr trockene Ästhetik, vergleichbar mit einem guten Wein. Einen Namen machte er sich außerdem durch ein besonderes Kabinettstückchen: Er focht einen Plagiatsprozess gegen Ikea durch die Instanzen – und gewann!