Bürostuhl Z Lounge

Martin Stoll

Sitzmöbelhersteller, Waldshut-Tiengen / Baden-Württemberg

 

Groß geworden ist der schwäbische Hersteller, der seit 1999 zur holländischen Samas-Gruppe gehört, mit den Arbeitstieren unter den Stühlen, den Bürodrehstühlen. 1920 wurde der erste in Deutschland gebaut. Erst als Junior Martin Stoll Ende der 70er Jahre sein eigenes Unternehmen gründete und kurz darauf das Modell S, den ersten Stuhl mit patentierter aktiver Beckenstütze, präsentierte, begann im Südschwarzwald das Designkapitel. Hilfe hatte sich der Jungunternehmer bei Arno Votteler geholt, der bis in die 90er Jahre hinein Modelle für die Firma entwickelte. Das gemeinsame Erstlingswerk, das u. a. von Aldi als Kassenstuhl eingesetzt wird, erwies sich als ebenso dauerhaft. Weitere Designer lieferten wichtige Entwürfe, darunter in den 90er Jahren der Schweizer Matteo Thun (Collection L) und der Schwabe Reiner Moll (Collection K). Für die Chefetage bietet man die Serie Executive Office (von Albert Holz), ein System aus minimalistischer Geometrie, das an frühen Bauhaus-Konstruktivismus erinnert. Die jüngste Stuhlreihe, die Collection E (von Uta und Andreas Krob) bedeutet wiederum Neuland. Statt der üblichen additiven Konstruktion verwirklichten die Designer ein integrales Konzept. Dieses erlaubt Einblicke, wo technische Details sonst verdeckt bleiben. Hinzu kommt eine Weltpremiere: der erste Bürostuhl, dessen Härte bzw. Weichheit sich regulieren lässt. Der Entwurf der Schweizer Designer entstand in Zusammenarbeit mit dem Berliner Ingenieurbüro Brüske, das diese neue Technik über zwei Jahre hinweg entwickelte. Mittels eines Schiebers lässt sich der Aggregatzustand des Sitzpolsters verändern: von „französisch komfortabel“ bis „skandinavisch kräftig“. Einen Avantgardismus anderer Art demonstriert die Collection W (2003 von Helmut Staubach). Schwarzes Leder auf Stahlrohrgestellen. Diese elegant-schlichten Wartemöbel sind eine deutliche Reminiszenz an die klassische Moderne. Auch der Wartestuhl Lenio hat einen rechteckigen Unterbau. Über dem robusten Holzgestell „schwebt“ jedoch eine S-förmige Sitzschale. Dies ergibt einen spannenden formalen Kontrast und guten Sitzkomfort.