Leise
Möbelhersteller, Frankfurt a. M. / Hessen
Dass Knut Völzke in seiner Diplomarbeit eine Designmarke entwickelte, bewegte sich noch im Rahmen des Üblichen. Dass er die Theorie danach aber in unternehmerische Praxis umsetzte, war schon etwas Besonderes. Auf der Kölner Möbelmesse 2005 konnte das Ergebnis begutachtet werden. Der Einzelkämpfer fand damit erhebliches Interesse. Völzke firmiert unter der Marke Leise, die assoziativ für Dinge stehen soll, die sich nicht marktschreierisch nach vorne drängen. Für solch eine zurückhaltende Attitüde finden sich ebenso berühmte Vorbilder in der deutschen Designgeschichte wie für die konzeptionelle Strenge. Ein Vorbild für diese Kombination aus Sachlichkeit und Findigkeit ist der deutsche Designpionier Ferdinand Kramer. Das übersichtliche Programm, das damals zu wachsen begann, umfasst eine Reihe klein dimensionierter Entwürfe, die man mit Fug und Recht als Kastenmöbel bezeichnen kann. Die Behältnisse wirken extrem schlicht und sind nach einem besonderen Prinzip konstruiert: Ein auf Gehrung gearbeitetes U-förmiges Korpuselement ist mit zwei Seitenflächen verbunden, auf denen ebenfalls U-förmige Deckel und Schiebeelemente aufgelegt werden können. Auch das Material kommt nicht von der Stange. Es handelt es sich um speziell für Leise gefertigte Platten aus heimischen Nadelhölzern, deren feine Stäbchenstruktur ebenso exklusiv ist, wie die hochwertige farbige Beschichtung. Mit dem Leise-Minimalismus geht eine überraschende Multifunktionalität der Kleinmöbelserie einher - eine Vielseitigkeit, die in der Einfachheit steckt. So lassen sich die Deckelelemente, die mit den seitlich überstehenden Wangen bündig abschließen und so eine plane Fläche bilden, unterschiedlich verwenden: nicht nur als verschiebbare Abdeckungen für verschiedene Kastenformate, sondern auch als Tablett oder Beistelltisch. Auch die anderen Objekte, die völlig ohne Grifflöcher oder Knäufe auskommen, sind nicht auf eine bestimmte Funktion festgelegt. Sie lassen sich zudem miteinander kombinieren z. B. durch Ineinanderstecken. Dabei stehen die Farben für Mondriaan'sche Flächigkeit. Die Kontur an den Kanten beschreibt die klare Geometrie. In diesem grafischen Moment kommt zudem die zugrunde liegende Systematik zum Ausdruck. Jedes einzelne Objekt ist Stauraum und Raumkörper zugleich.


